Zeittafel 12. bis 14. Jahrhundert
Die Geschichte von Herrnneuses.
12. Jahrhundert
vor 1139
Der erste Besitzer von Neuses, dem späteren Herrnneuses, war Bischof Otto I. von Bamberg (†30. Juni 1139 in Bamberg). Er gilt als der Bedeutendste unter den Bamberger Bischöfen. Sein Grab befindet sich in der Bamberger Benediktinerabtei Michelsberg.
Am 29. April 1189 wurde Otto von Papst Clemens III. heiliggesprochen. Seither wird er besonders in Bamberg verehrt.
Skulptur von Bischof Otto I. auf der Deckplatte seines Hochgrabs (aus dem 14. Jahrhundert) in der Kirche des ehemaligen Klosters St. Michael in Bamberg.
Das 744 gegründete Kloster Fulda war durch zahlreiche Zuwendungen und Schenkungen rasch zu einer bedeutenden Abtei herangewachsen. Zu seinem Besitz gehörten auch Altheim bei Dietersheim und Nesselbach – beides Geschenke eines gewissen Helmbolt. 11 Bereits im Jahr 781 waren zahlreiche Mönche auf die Kirchen und Besitzungen des Klosters verteilt, vermutlich auch in Altheim.
Es ist davon auszugehen, dass Neuses von Altheim aus gegründet oder christianisiert wurde. Es unterstand bis zum Jahr 1465 der kirchlichen Betreuung durch Altheim.
Um sein Territorium zu sichern, gründete und reformierte Bischof Otto I. zahlreiche Klöster und ließ viele Burgen errichten, darunter möglicherweise auch die Burg in Neuses. Zudem übertrug er einen Teil seines Besitzes an verschiedene andere Klöster. Das um 1130 gegründete Benediktinerkloster Münchaurach erhielt dabei unter anderem Altheim und Neuses. 12 Zuständig für das Kloster war das Bistum Würzburg.
1158 – 28. Januar
Erste urkundliche Erwähnung von Neuses.
In dieser Urkunde stellt Kaiser Friedrich Barbarossa auf Bitten des Nürnberger Burggrafen Gottfried III. von Raabs, der zugleich Vogt des Benediktinerklosters Münchaurach war, das Kloster mit seinen Besitzungen unter seinen kaiserlichen Schutz und bestätigt zugleich die Vogtei des Burggrafen. Da Neuses zu den Besitzungen des Klosters gehörte, unterstand der Ort fortan den Nürnberger Burggrafen, die damit die Schutz- und Vertretungsrechte über den klösterlichen Besitz ausübten.1
13. Jahrhundert
1235
„Idem Cunradus burggravius in Nuremberg fideli suo ministeriali Ditmaro in Nuzzeze et eius fratribus et sororibus concedit, ut bona sua in Schellenhart, quae possidebant hereditarie, manu sua Sanctae dei genitrici Mariae et fratribus domus teutonicae in Nuremberg conferant.“2,10
Auf Deutsch:
„Ebenso hat Burggraf Konrad in Nürnberg seinem treuen Verwalter Ditmar in Nuzzez [=Neuses] und dessen Brüdern und Schwestern erlaubt, dass sie seine Güter in Schellenhart [=Schellert], die sie ererbt besaßen, aus seiner Hand den Brüdern vom Deutschen Haus Sankt Mariens [= Deutscher Orden] in Nürnberg überlassen.“
14. Jahrhundert
zw. 1321 und 1361
Heinrich von Seckendorff (1321-1361) hat Besitzungen in Dürrnbuch, Bottenbach, Schauerberg, Herzogenaurach und Emskirchen. Er besitzt den Zehnten zu Rennhofen.3 Vermutlich gehört ihm auch Neuses.
Die Familie von Seckendorff, ein fränkisches Adelsgeschlecht, führt ihren Namen nach dem Ort Seckendorf bei Cadolzburg. Sie steht im Dienst der Nürnberger Burggrafen und genießt deren besondere Gunst. Im Gefolge der Burggrafen entwickelt sie sich zu einer der am weitesten verzweigten Ritteradelsfamilien Frankens. Ihr Besitz erstreckt sich von Bayreuth über das Mainviereck bis an die Donau sowie von der Jagst bis in das Gebiet um Altdorf.
Rennhofen (Rinhofen/Reinhofen) ist der Stammsitz des Adelsgeschlechts von Seckendorff-Rinhofen. Diese Linie der Seckendorffer lässt sich auf die Brüder Heinrich und Friedrich von Seckendorff zurückführen.
Auf dem Anwesen 5 in Rennhofen standen noch bis in die Neuzeit Grundmauern des ältesten Sandsteinbauwerks im Dorf. Das könnten die Reste des Seckendorffschen Besitzes gewesen sein. Ein ehemaliger Flurname, nördlich der Kirche, hieß „Schlossweiher“.4 Laut Karl Heinrich von Lang (1764-1835) stand noch 1437 das „Seckendorffsche Schloß“ in Rennhofen. Zwischen 1439 und 1449 ließ die Äbtissin des Klosters Birkenfeld, Margaretha von Seckendorff-Rinhofen, die Kirche St. Margaretha errichten.
Der Kartenausschnitt zeigt das Anwesen 5 und daneben die St. Margaretha-Kirche im Urkatasterplan von 1827. Quelle: BayernAtlas, online.
1360 – 27. November
1361
Friedrich von Seckendorff, genannt Bitterkraut (1346-1392), Sohn von Heinrich von Seckendorff, hat umfangreiche Besitzungen in ganz Franken, u.a. Rennhofen, Bottenbach, Emskirchen, Schweinach, Schellert, Mosbach und vermutlich auch Neuses.
Er ist Burggräflicher Hofmeister und Landrichter in Nürnberg.6
1391
Heinrich Schenk von Geyern zu Uttenhofen (1368-1412), der Ehemann von Dorothea von Seckendorff-Rinhofen, klagt gegen seinen Schwiegervater Friedrich von Seckendorff. Er verlangt u.a. Rennhofen und vermutlich auch Neuses.7
Das Adelsgeschlecht der Schenk von Geyern stammt ursprünglich aus Hofstetten bei Eichstätt. Nachdem sie mit der Burg Geyern (Gemeinde Bergen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) belehnt wurden, nannten sie sich „Schenk von Geyern“. Sie waren im Ritterkanton Altmühl organisiert.
Der Schenkenwald (am südl. Ortsrand von Herrnneuses) ist vermutlich nach ihnen benannt.
Gräben und Wälle der Burg Geyern vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Sie lag wenige hundert Meter nördlich des heutigen Schlosses auf einem Bergsporn
Das neugotische Schloss Geyern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wird von den Nachfahren des über 1000 Jahre alten Adelsgeschlecht bewohnt und erhalten.
1395
Heinrich I. Rummel, der „Reiche“ (um 1340-1417) erwirbt das Recht auf einen Kornzehnten (Naturalabgabe der Bauern) zu „Neuseß“ vom Bischhof von Würzburg Gerhard von Schwarzenburg (†1400).8
Heinrich I. Rummel aus Wollersdorf (Gemeindeteil von Neuendettelsau) war der Stammvater der Familie Rummel in Nürnberg.9 Die Rummels waren im Fernhandel tätig, ihr Handelsgebiet erstreckte sich über ganz Mitteleuropa. Sie handelten mit Gewürzen, Tuchen, Seidenwaren, Pelzen, Edelmetallen und Salpeter.
Quellen:
- PFEIFFER (1964), Seite 27. ↑
- HISTORISCHER VEREIN (1861), Seite 51 (Scan 175). ↑
- RECHTER (1987), Seite 21 f. ↑
- STROBEL (1972), Seite 159. ↑
- LEHNES (1837), Seite 16. ↑
- RECHTER (1987), Seite 26. ↑
- Ebd., Seite 28. ↑
- SCHAPER (1981), Seite 7. ↑
- Ebd., Seite 3. ↑
- STILLFRIED/MAERCKER (1856), Seite 2. ↑
- DRONKE (1844), Seite 21 (Scan 40). ↑
- HOLDER-EGGER (1888), Seite 1151-1166 ↑