Buchempfehlung – Frauen für die Wehrmacht

Mit Frauen für die Wehrmacht legt Otmar Gotterbarm eine bemerkenswerte Dokumentation vor, die ein bislang wenig beachtetes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Im Mittelpunkt stehen die Erinnerungen junger Frauen, die im Alter zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren, teils freiwillig, teils zwangsverpflichtet, als ein kleines Rädchen in das große Räderwerk der Maschinerie des Krieges gerieten. Das Buch erschien 2026 im Verlag Books on Demand.

Anhand persönlicher Berichte vermittelt Gotterbarm ein vielschichtiges Bild der Lebenswirklichkeit dieser jungen Frauen. Die Zeitzeuginnen erzählen von Hoffnungen, Ängsten, Pflichterfüllung, Zwang und den oft lebenslangen Folgen ihrer Kriegserfahrungen.
Ein besonders bewegendes Kapitel ist Anneliese Sandmann (*12.6.1927, †25.4.2013) aus Neustadt an der Aisch gewidmet. Nach ihrer Mitgliedschaft im Bund Deutscher Mädel (BDM), einem vorgeschriebenen Pflichtjahr in einem Haushalt in Neustadt und einem Einsatz im Reichsarbeitsdienst (RAD) in Herrenberg (Baden-Württenberg) wurde sie als Luftwaffenhelferin nach Altbierlingen (bei Ehingen im Alb-Donau-Kreis) in die Funkmessstellung „Laubfrosch“ versetzt. Ihre Erinnerungen vermitteln einen eindrucksvollen Einblick in den Alltag einer jungen Frau, deren Lebensweg durch die Kriegsereignisse maßgeblich geprägt wurde.

Von dieser Zeit hat Anneliese Sandmann ihrer Tochter Karin Kloth aus Herrnneuses ein kleines Fotoalbum hinterlassen. Einige dieser Fotografien hat Otmar Gotterbarm in seinem Buch veröffentlicht. Zusammen mit den überlieferten Erinnerungen entsteht so ein authentisches und berührendes Zeitzeugnis, das die Geschichte greifbar macht und den Menschen hinter den historischen Ereignissen ein Gesicht gibt.

Der Autor verzichtet auf einfache Urteile und lässt die Erinnerungen der Betroffenen für sich sprechen. Gerade dadurch entsteht ein differenziertes Bild, das historische Zusammenhänge verständlich macht und zugleich die menschliche Dimension der Ereignisse in den Vordergrund rückt.

Dieses Buch ist eine wertvolle Lektüre für alle, die sich für Zeitgeschichte und die Rolle von Frauen im Zweiten Weltkrieg interessieren. Es erweitert den Blick auf den Krieg um Perspektiven, die in der historischen Erinnerung oft im Hintergrund stehen, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur zeitgeschichtlichen Forschung und Erinnerungskultur.

 

Ernst Paul Sandner† berichtet im „Neustädter Kalender für Haus und Familie für das Jahr 2011“ über die von Otmar Gotterbarm in seinem Buch erwähnte Funkmessstellung „Erpel“ in Neustadt an der Aisch.